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Unser Arbeitgeberzeugnis – ausgestellt von einem Ex-Mitarbeiter

Der folgende Beitrag stammt von meinem ehemaligen Mitarbeiter, Kollegen und Freund Norbert Diedrich – im Social Web besser als Nordbergh bekannt.Es ist seine – nicht eingeforderte – Antwort auf meinen Post, den ich zu seinem Abschied von pr://ip im August geschrieben habe.

Wählerisch, meinungsstark und immer noch zu haben: Norbert Diedrich
Wählerisch, meinungsstark und immer noch zu haben: Norbert Diedrich

Von Norbert „Nordbergh“ Diedrich.

Nun ist es schon fast drei Monate her, dass Christoph Salzig und ich die fünf Jahre voll gemacht haben – als Kollegen im Angestelltenverhältnis. Danach war Schicht. Ja, wie die Zeit vergeht… Ich war überrascht und bewegt, als er in „Abschied ist ein scharfes Schwert“ so außergewöhnlich wohlmeinende, persönliche Worte über die gemeinsame Zeit fand.

Was ist ein Zeugnis wert, wenn kein Arbeitgeber Wert drauf legt?

Nö, ich fühlte mich überhaupt nicht verpflichtet, deswegen jetzt auch etwas zu schreiben. Ich fühlte mich aber irgendwie verpflichtet, mal drüber nachzudenken, ob ich etwas schreiben könnte. Kann man ja mal machen – dem Arbeitgeber eine Art Zeugnis ausstellen.

Mal ehrlich, wenn Unternehmen Employer Branding konsequent ernst nehmen würden, würden sie sich dafür interessieren, was ehemalige Arbeitnehmer abseits anonymer Beiträge in halbseidenen Bewertungs-Foren über sie denken, oder!?

Was fällt mir ins Unreine ein?

1. Coaching

Vor allem anderen (und neben Arbeitsplatz, Entlohnung etc.) erwarte ich von einem Arbeitgeber/Vorgesetzten besonders eines: Coaching! Eine unterschiedlich ausgeprägte aber kontinuierliche Anleitung, wie ich so zuarbeiten kann, dass es in sein Konzept passt. Das schließt selbständiges Handeln, Entscheiden und Arbeiten nicht aus – im Gegenteil!

Von 240 auf 360 Grad in zwölf Monaten.
Von 240 auf 360 Grad in zwölf Monaten.

Dafür hat Christoph aber nicht nur Fortbildungen angeboten bzw. empfohlen. Er hat auch individuell auf mich als Quereinsteiger mit über 40 Rücksicht genommen. Das heißt, wir haben zusätzlich in unregelmäßigen Abständen „Teach-ins“ durchgeführt – von ihm in seiner Freizeit vorbereitet und während der Arbeitszeit durchgeführt. Twitter, Facebook, Google+ etc. habe ich auf diese Weise kennengelernt – NICHT im Rahmen eines abstrakten Wochenendseminars, sondern ganz konkret auch am Beispiel unserer Kunden! Na ja, das kann man aber natürlich nur machen, wenn man es als Vorgesetzter auch wirklich drauf hat. Gemessen an meinen Internetkenntnissen hatte und hat er das – was auch immer das für eine Qualitätsaussage ist. ;-)

Ich habe vor allem in diesem Kontext sehr viel über digitale Kommunikation von ihm gelernt. Und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

2. Individualisiertes Employer Branding

2013-11-04 21.33.45
Durch Höhen und Tiefen: Nicht nur im Fußball.

Experimental-Team-Erlebnisevents, Bonusausschüttungen, unternehmenseigene Fitnessstudios, zwangsverpflichtende Meetings, gemeinsame Mittagessen, Betriebsfeiern, das regelmäßige Feierabend Afterwork Meeting, Outdoor Extreme Trainings mit Hängebrücken, Klettern etc. oder sogar Team-Urlaubsfahrten für 5 Tage nach Malle! Was lässt sich da manch ehrgeiziger Personaler/Unternehmer nicht alles so einfallen!? Doch wird für mich sehr oft etwas Entscheidendes vergessen! Mitarbeiter haben unterschiedliche Arten, Neigungen und Vorstellungen von dem, was sie brauchen, um sich in der Eingliederung als Teammitglied unterstützt zu fühlen. Gibt es im Ernst Arbeitgeber, die mir vorschreiben wollen, was ich in meiner Freizeit zu tun habe? Nö. Aber ich habe mit dieser Einstellung auch nie hinter’m Berg gehalten.

Auch hier hat Christoph in meinen Augen nicht nur Geduld, sondern auch Flexibilität gezeigt. Ich glaube, er hätte gerne so ein Kletterwochenende gemacht. Und er hätte gewusst, wie sehr ich das prinzipiell abgelehnt hätte. Und wenn in einem Dreier-Team Einer nicht will, macht es keinen Sinn. Er hat aus meiner Sicht immer dafür gesorgt, Gemeinsamkeiten zu fördern, die möglichst jedem ein hohes Maß an Individualität zubilligen. Ich hatte nie das Gefühl, zum gemeinschaftlichen Irgendwas verpflichtet zu sein, nur weil wieder ein Vorgesetzter Employer Branding falsch versteht

3. Persönliches Marketing

Im Kontext der Arbeit in Internet und Social Media kann ich mir gar keine andere Arbeitsweise mehr als die bei pr://ip  vorstellen! Um die Dynamiken in Social Media besser und permanent verstehen zu können, hatten wir die Möglichkeit, mit eigenen privaten Accounts zu agieren.

Wer das mache wollte, hatte nur eine einzige Einschränkung: Schweinereien im Zusammenhang mit meiner Person als Angestellter konnten ein ‚Veto’ des Chefs nach sich ziehen. Aber bei der exzellenten Einarbeitung in die Materie war das zumindest bei mir nur ein einziges Mal nötig. Unser IC aus München kam nachts (überraschend) verspätet in Köln an. Die ganze Zeit hieß es: Der andere IC wartet. Das tat er auch. Als wir einfuhren, sahen wir ihn ein Gleis weiter stehen. Ich rannte los und war der Erste am wartenden Zug – der genau in dem Moment abfuhr, als ich meine Hand am Türgriff hatte. Da habe ich in 140 Zeichen so viel geballte Verbalflüche reingequetscht, dass selbst Charles Bukowski rot angelaufen… oder stolz auf mich gewesen wäre.

4. Der persönliche Respekt

Bildschirmfoto 2013-12-05 um 11.31.56Wenn man sich so viele Jahre über privat kennt, ist es nicht immer leicht, in beruflichen Stresssituationen den nötigen Abstand zu wahren. Wer glaubt, das gelänge ihm immer problemlos, hat keine Ahnung. Das ist aber auch nicht schlimm, wenn der persönliche Respekt nichts ist, was man einfordern muss.

Hierin liegt für mich der Grund, warum Christoph und ich uns in einer für beide unterschiedlich schweren Zeit dennoch gegenseitig in die Augen schauen und sagen konnten: Ich möchte eigentlich nicht mehr. Die Freundschaft hat es offensichtlich überlebt. Und das ist mir sehr wichtig!

Employer Branding – Zweipunktviertelvorzwölf

Gerade in den Digitalen- und Kommunikations- bzw. Medien-Branchen halte ich es für einen Trugschluss zu glauben, immer weniger werdende Fachkräfte könne man dadurch für sich gewinnen, dass man Mitarbeitern „das Beste“ abverlangt, ohne selbst das Beste geben zu wollen.

Frage: Sie wollen immer nur das Beste, weil Ihnen gut nicht gut genug ist?
Antwort: Ja. Trotzdem bewerbe ich mich bei Ihnen.

Employer Branding ist keine Spielwiese für geltungsbedürftige Abteilungsleiter, Personaler oder mittelständische Agenturleiter. Employer Branding ist ein hartes Stück Arbeit, das sich auch verändernden digitalen Kanäle und verändernder Kommunikation immer wieder neu anpassen muss. Wobei… nein. Es muss nicht. Niemand MUSS. Es ist wie beim Internet oder bei Social Media. Niemand MUSS.  Ich musste auch nicht, aber ich wollte gerne darüber sprechen. Ich finde, Christoph Salzig gehört zu denen, die Employer Branding wirklich verstanden haben.

Das ist sicher nicht alles, was ich über pr://ip sagen kann. Aber diese Punkte schienen mir unbedingt wert, „Zeugnis“ von ihnen abzulegen.

Wir bleiben in Kontakt…

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