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2018 – das Jahr der Corporate Videos

Mittagspause. Das Smartphone in der Hand, scrollt man durch diverse soziale Netzwerke. Und wo bleibt man hängen? Beim Cat Content. Bei den lustigen Videos von 9GAG und Co. Kommt dir bekannt vor? Die Bedeutung von Videos in der digitalen Kommunikation wird immer wichtiger, um seine Zielgruppen zu erreichen. Generischer Content dagegen wird immer weniger wahrgenommen. Vor allem der Snapchat-Boom hat unser Verhalten dahingehend enorm verändert. Aber auch auf anderen Plattformen zeigen sich Auswirkungen und Stellenwert der Videos. Allein auf Facebook verbringen Nutzer drei mal mehr Zeit mit (Live-)Videos als mit Bild- oder Text-Content. Es wird also höchste Zeit, Video Content auch in die Unternehmenskommunikation aufzunehmen. Und das geht ohne große zusätzliche Kosten. 

Schneller, direkter, kürzer. Das ist das Motto, wenn es um Video Content geht. Durch die verbreitete Nutzung von Plattformen wie Snapchat oder Musical.ly neigen wir mittlerweile zu „snackable“ Content mit einer Länge von zehn bis 15 Sekunden. Facebook bildet hier eine kleine Ausnahme, denn die wahrnehmungsstärksten Videos auf der Plattform betragen in der Regel zwischen ein und zwei Minuten. Interessant zu wissen: Nach aktuellen Facebook-Statistiken schauen 85 Prozent der Nutzer Videos ohne Ton. Also: Immer schön an die Untertitel denken.

Content auf den Punkt

Der Trend wirkt sich aber vor allem auf die klassische Video-Plattform YouTube aus. Auch wenn die durchschnittliche Nutzungsdauer täglich bei acht Minuten liegt, werden 80 Prozent der Videos innerhalb der ersten Minute abgebrochen. Nur etwa 20 Prozent der Nutzer schauen Videos im Durchschnitt bis zum bitteren Ende. Beim Video Content kommt es daher vor allem auf eins an: schnell auf den Punkt kommen. Storytelling ist hier ein großes Stichwort, um Informationen so gut es geht in einem möglichst kurzen Format zu verpacken. Ein tolles Beispiel dafür sind die Stories auf Instagram und Snapchat.

Etwa 30 Prozent der User finden, dass Unternehmen einmal pro Tag Snaps oder Stories posten sollten. Die aktuelle Entwicklung zeigt, wo Unternehmen überall Nachholbedarf haben dürften. So hat insbesondere Instagram einen regelrechten Video Boost durchlebt seit die Fotoplattform 2015 die Story-Funktion eingeführt hat. Die Anzahl der produzierten Videos hat sich hier in nur in einem Jahr vervierfacht. Zudem sind innerhalb dieses Jahres die Stories-Nutzer von 100 Millionen auf 300 Millionen weltweit gestiegen und die Wiedergabedauer der Videos ist um mehr als 80 Prozent gewachsen. Gut gemachte und platzierte Videos eignen sich also durchaus dazu, mit der eigenen Zielgruppe in den Dialog zu treten. Auch Facebook zeigt: Durch Video-Beiträge wird eine 135 Prozent größere organische Reichweite erreicht. Wie sich die letzte Anpassung des Algorithmus auswirkt, bleibt noch abzuwarten. Doch was sind die Ursachen dieses Erfolgs?

Corporate Videos steigern die Kundenkommunikation

Einer der wichtigsten Bestandteile der Erfolgsformel lautet: Nähe. Genau durch diesen Faktor sind Plattformen wie Snapchat und Musical.ly groß geworden. Unverfälschte Augenblicke, die einem hautnah Einblicke in das Leben seines Lieblingsstars, einer Marke oder eines Unternehmens gewähren. Das gilt umso mehr für jüngere Zielgruppen. Weitere Plattformen haben das Erfolgspotential dieses Ansatz erkannt und adaptiert. Der Rest ist Geschichte und zeigt sich deutlich in unserem aktuellen Nutzungsverhalten. Die durchschnittliche Verweildauer auf sozialen Netzwerken liegt täglich bei 69 Minuten, ein Großteil davon erfolgt über mobile Endgeräte. Wissend, dass Videos nur noch etwa eine Minute lang sein müssen und zu einer größeren, je nach Netzwerk doppelten Reichweite führen können – um welchen Faktor ließe sich dann die Wahrnehmung in deinen Ziegruppen steigern?

Wo zeige ich was?

Möglichkeiten, um eigenen (Corporate) Content zu verbreiten, gibt es reichlich. Hier die wichtigsten Plattformen im Überblick:

  • YouTube: Der Klassiker und immer noch die Nummer-Eins-Videoplattform.
  • Facebook: Vor allem in den letzten beiden Jahren haben sich sich hier die Trends Live- und 360°-Videos entwickelt.
  • Snapchat: Ausgangspunkt für „Zehn-Sekunden-Videos“ und damit für Snack Content im Allgemeinen.
  • Instagram: Videos im normalen Profil möglich, effektiver sind jedoch die Stories, die mittlerweile viele Zusatzfunktionen bieten (z.B. live).
  • Periscope: Das Tool für Live-Übertragungen auf Twitter, in Deutschland aber eher wenig im Einsatz.
  • Musical.ly: Auch wenn die Lipsync-Plattform auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, kann hier aus kreativen Ideen guter Corporate Content werden.
  • Now: Eine Livestreaming-Plattform, die vor allem auf starke Interaktion mit den Zuschauern setzt und eine sehr junge Zielgruppe hat. Die Plattform stand aber schon häufiger wegen Urheber- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen in der Kritik.
  • Meercat: Der eigentliche Urheber des Live Streamings. Durch die übermächtige Konkurrenz von Facebook und Twitter haben die Macher inzwischen das neue Streaming-Format „Houseparty“ entwickelt und damit den Übergang zu den Messengern markiert.

Inhaltlich lassen sich Videos auf diesen Plattformen in drei Kategorien unterteilen: Behind the Scenes, Teaser und Aufrufe zur Interaktion mit den eigenen Zielgruppen. Dazu gibt es verschiedenen Formate, die man für sich nutzen kann. Das wohl älteste und erfolgreichste sind die Erklärvideos oder „Tutorials“. Wenn heute etwas nicht mehr funktioniert, ist in der Regel der erste Schritt, auf Google nach einer Anleitung zu suchen. Die ersten Vorschläge kommen hier meist von YouTube und funktionieren hervorragend – ein echtes Erfolgsrezept. Auch Experimente vor der Kamera sind gerne gesehen. Um Einblicke hinter die Kulissen zu bieten, eignen sich in erster Linie die schon erwähnten Stories. Aber auch Image-Filme oder Übernahmen durch Mitarbeiter und Influencer zeigen tolle Möglichkeiten auf. Auf drei Formate, möchte ich hier noch einmal gesondert eingehen, da sie im Moment absolut wegweisend sind.

The next big things – Live, 360 Grad & VR

Live-Videos sind bereits in allen sozialen Netzwerken angekommen und erleben einen seit Monaten und Jahren anhaltenden Boom. Live ist auf noch nicht absehbare Zeit der „hyce Shyce“. Hier bieten sich viele verschiedene Möglichkeiten, Events lassen sich auf sehr eigene Art dokumentieren, Interview-Sessions anbieten und vieles mehr. Die Möglichkeiten variieren – wie zu erwarten – je nach Zielgruppe. Die meisten Live-Funktionen sind mittlerweile in den Apps der Plattformen integriert.

360-Grad-Videos werden ebenfalls noch ihren Peak haben. Zwar ist das Hochladen eines solchen Videos schon möglich, die technischen Standards sind aber noch nicht durchgängig. Trotzdem bieten sie einige tolle Möglichkeiten, die noch nicht so häufig genutzt wurden. Dass uns hier ein Boom erwartet, verriet schon Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf der alljährlichen Facebook-Konferenz F8 2016. Bereits vor zwei Jahren arbeitete Facebook an einer eigenen 360-Grad-Kamera und erst 2017 gab Zuckerberg auf der F8 bekannt, dass mit der neuen „Facebook Spaces„-App, die Möglichkeiten für 360-Grad-Aufnahmen und VR gegeben sein sollen. Was uns zum letzten Trend führt.

Christoph Steinhard beim MünsterCamp 2018 (c) MünsterCamp

Virtual Reality (VR) ist wohl der Trend, der unser Nutzungsverhalten in Zukunft am nachhaltigsten verändern wird. Wurde der Begriff bisher eher im Gaming-Bereich verortet, beinhaltet er doch deutlich mehr Möglichkeiten. Christoph Steinhard, Berater bei der Projektwerft in Hamburg sagte dazu beim MünsterCamp im vergangenen Monat: „Man muss mehr als nur in klassischen Medien und 360 Grad denken können.“ VR bietet die Möglichkeit für ganz neue Denkansätze. Berichterstattungen können damit auf ein ganz neues Level gehoben werden. Beispielsweise könnte man die Verhältnisse in Flüchtlingslagern mit VR nachbilden, als nur darüber zu berichten. Aber vor allem auch im E-Learning-Bereich bieten sich ganz neue Chancen. Chirurgiestudenten könnten, so oft sie es brauchen, in einer VR-Modulation Operationsschritte durchführen und trainieren, selbst wenn keine Leichen zu diesem Zweck zur Verfügung stehen. Mit diesen neuen Ansätzen und Denkanstößen kann durch VR auch die Corporate-Kommunikation auf ein ganz neues Level gehoben werden und ungeahnte Möglichkeiten ermöglichen. Ein Trend, den man definitiv im Auge behalten sollte.

Immense Produktionskosten und Aufwand für so kurze Videos?

Nein, eher im Gegenteil. Den wichtigsten Baustein, den wir zur Produktion solcher Videoformate brauchen, haben wir fast immer dabei: das eigene Smartphone. Die Technologie der Kameras ist mittlerweile so ausgefeilt, dass sich hochqualitative Videos mit den eingebauten Linsen produzieren lassen. Bentley hat bereits 2014 mit dem iPhone 5 einen ganzen Werbespot produziert. Seitdem hat die Smartphone-Technologie noch einmal einen enormen Entwicklungssprung vollzogen. Hier ist dazu ein schönes Beispiel für ein Corporate Video vom schon erwähnten MünsterCamp – ungescripted und ungeschnitte:

Eventuell benötigtes Zubehör wie Stativ, Mikrofon oder Licht bekommt man für das Smartphone mittlerweile zu relativ günstigen Preisen. Damit ist die Grundausstattung vorhanden, und die Produktion kann starten. Aber auch Action-Kameras, Drohnen oder 360-Grad-Kameras bekommt man mittlerweile zu moderaten Preisen. Solange klar ist, für wen der Content produziert wird und was gezeigt werden soll, sind auch Produktion und Verarbeitung schnell erledigt. So ist zu minimalem Aufwand ein maximaler Effekt möglich: die Steigerung der Reichweite und Sichtbarkeit bei den passenden Zielgruppen. Und wann werden deine Videos in der Mittagspause angesehen?

Michaela Fränzer

Junior PR-Beraterin, B.A. in Crossmedia Production and Publishing. Digital Native. Ist crossmediale Journalistin, Spezialistin für Bewegtbild und Fotografie, Inbound Marketing-Koordinatorin und Buchbloggerin.

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