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Ich sehe was, was Du nicht siehst: Pinterest

Pinterest wächst so schnell wie keine andere Webseite und hat in den USA die 10 Millionen Nutzer Marke (Unique Visitors) geknackt.“ So hatte ich am 8. Februar bei futurebiz gelesen. Also sofort mal gucken – man muss ja wissen, wovon man demnächst spricht.

Anklicken zum Vergrößern!

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Die Idee hat mir a) sofort gefallen und b) sofort eingeleuchtet. Das Internet ist visuell. Was nach offenbar allgemeiner Überraschung nun also auch eine Social Media Plattform an den Tag gebracht hat, die primär über Bilder kommuniziert – und ggf. angehängte Kommentare. Und wie herrlich einfach diese Kommunikation doch abläuft: Selber ein Bild irgendwo im Internet sehen und „pinnen“, ein anderes eines anderen Pinterest Users „liken“ oder „repinnen“. Letzteres entspricht dem Retweet und auch die Follower-Terminologie von Twitter passt hier nach meinem Eindruck gut. Und das Schönste bzw. das, was mich letztlich zur sofortigen Mitwirkung veranlasst hat, ist das Kreieren eigener „boards“ – eigener Schaukästen, Galerien, thematisch völlig frei.

„Mein Haus! Mein Auto! Mein Boot!“

Erinnert sich jemand? Die Kampagne – weiß der Kuckuck von wem damals, hab’s vergessen, unwichtig – zog. Sie war in aller Munde, wurde persifliert und war so verbreitet, wie heute 1&1- und Vodafone-Kampagnen zusammengenommen. Allerdings ist offenbar niemand auf die richtige Idee der digitalen Umsetzung dieses Selbstdarstellungs-Zehnkampfes gekommen.

Mein erster Gedanke galt aber der zu sichernden URL. Manche kennen mich als Nordbergh – das sind laut Google entweder ich oder ein skandinavischer Transportunternehmer. Der war bisher nur auf Youtube schneller und bei pinterest wollte ich unbedingt wieder schneller sein www.pinterest.com/nordbergh. Got it. Und genauso schnell, wie ich eingeloggt und mit dem Procedere vertraut war, pinnte ich Bilder… hoch. Sagt man hochpinnen? Einpinnen? Aufpinnen? Pin up?

Social Media ist ein Netz, kein Kanal

pinterest.com/Nordbergh

pinterest.com/Nordbergh

Die Verknüpfung meines neuen Accounts mit Facebook brachte mir sofort die ersten Dutzend Kontakte – Follower. So schnell konnte ich gar nicht gucken. Das dauerte gefühlte Minuten und ich hatte die ersten 30 Follower bevor ich mir überhaupt nur ein einziges Pinterest-Profil angeschaut hatte. Natürlich kann man sich auch ohne Anbindung an facebook und Twitter einloggen. Hab ich testhalber unter einem Pseudonym versucht. Nach drei Wochen brachte mir das ganze VIER Follower – und einer davon war ich selbst (Nordbergh). Ein sehr plakatives Beispiel dafür, dass Social Media eben ein Netz und kein Kanal ist! (Gleich merken für die nächste Moderation… )

Marken sehen und gesehen werden

Begleittexte zu Bildern sind möglich.

Begleittexte zu Bildern sind möglich.

Die ZEIT scheint mir das Wesen und gleichzeitig den Nutzen von Pinterest besonders prägnant auf den Punkt gebracht zu haben: „Ein soziales Netzwerk aus schönen Bildern“. Das müsste doch ein Tempel für Marken sein? Marken sind visuell, Marken leben von Logo, Typo, Design, Identity, Bildsprache usw. usw. Marken werden (auch) durch aktive Präsenzen in Social Media lebendig. Was sollte eine Marke also daran hindern, ihren Corporate Catalogue online zu stellen – OHNE eine völlig neue eigene Website, OHNE ein unabhängiges Geschäftsmodell, welches virtuelle Schaufenster, evtl. noch neben ungeliebten Markenkonkurrenten, anbietet – für Markenfans und für teures Geld? Viele Marken sind durch das Internet zum Kult und dafür manchmal sogar schon aus dem vermeintlichen Sterbebett geholt worden. Markenfans finden sich in Foren, gründen eigene Webpräsenzen und lassen schon mal so manchen Marketingverantwortlichen ins Schwitzen kommen, wenn es etwa um historisches Fachwissen zur Marke geht.

Pinterest steht nicht auf Blindgänger

Natürlich verhält es sich mit Pinterest wie mit anderen Social Media Plattformen auch. Bestimmte Kommunikationskonzepte werden angesprochen, bestimmte weniger oder gar nicht und Konzeptlosigkeit ist auch hier erstaunlicherweise kein Patentrezept! Doch scheint mir hier, mehr als bei anderen Plattformen, die Chance gegeben, sich auszuprobieren. Boards/Themenfelder können sofort geändert, gelöscht oder neu geschaffen werden. Entsprechend kann man sofort etwa auf Besucherreaktionen reagieren. Der Vielfalt und den Variationen sind keine Grenzen gesetzt. Hier muss kein CMS bearbeitet werden, hier muss kein Webumfeld untergeordnet oder angepasst werden. Pinterest ist Schaufenster, Warenauslage, Museum, Galerie mit optional direkter Verlinkungsmöglichkeit auf Kampagnenseiten, Webseiten. Microsites usw. usw.

Aus den USA: Rock'n'Roll, Internet, Fender - alles nur kurzfristige Hypes!

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Doch Obacht! Pinterest ist kein Tummelplatz von Internet-Anfängern! Nach einer kürzlich auf www.lemon.ly veröffentlichten Infografik (siehe oben) ist jeder fünfte Pinterest-Besucher (2.000.000) täglich auf der Plattform. Dabei ist deren Anteil seit Jahresbeginn in den USA um 145 Prozent gestiegen. Der Grafik und ihren Quellen zufolge generiert Pinterest derzeit mehr referenziellen Traffic als Youtube, Googler+ und LinkedIn zusammen! Aber das könnte natürlich alles auch nur ein momentaner Hype sein. Pinterest kommt schließlich auch aus den Vereinigten Staaten, genau wie: Rock’n’Roll, Coca Cola, Internet…

Deswegen sind wir Deutschen erst mal abwartend, verhalten, beinahe zaudernd, naturgemäß differenziert und auf jeden Fall beeindruckend passiv. Dahinter wähne ich als mögliche Ursache ganz provokant einen Mangel an Phantasie. Lange hat es gedauert bis man hierzulande auf Unternehmerseite auf Social Media angesprungen ist. Verständlich, haben doch unter anderem ausgerechnet in deutscher Wertarbeit entstandene Klone wie die VZ-Netzwerke gezeigt, wie man in Social Media vor die Wand fahren kann. So hat Pinterest in Deutschland Mitte Februar gerade einmal 69.000 Besucher angezogen.

Die Rückkehr der URL-Jäger?

Travelchannel: Pinnt noch etwas unbeholfen, hat aber schon viele Follower! pinterest.com/travelchannel

Travelchannel: Pinnt noch etwas unbeholfen, hat aber schon viele Follower! pinterest.com/travelchannel

Dabei wäre es doch eine Kleinigkeit, sich zumindest erst einmal die entsprechende URL für die eigene Marke zu sichern – etwa so, wie mein Ego das mit meinem Webnamen „Nordbergh“ gemacht hat. Gerade auch in den USA sind bestimmt viele große Marken auf diese Idee gekommen und haben bei der global am schnellsten wachsenden Social Media Plattform bereits die nötigen fünf Minuten investiert – denke ich mir so und schaue mal nach.

Stimmt! Pinterest.com/gulf ist bereits registriert – auf eine Kim Barr (5 Boards, 0 Pins, 1 Like). Und etwa auch pinterest.com/ford ist bereits vergeben – an Tiffany Ford (5 Boards, 4 Pins, 9 Likes). Tja, denke ich und staune. Wie konnte das passieren? Zwischendurch sichere ich mir als großer Fan gleich mal pinterest.com/thepolice – und grüble weiter.

Wie sieht es denn in Deutschland aus? Gebe ein: pinterest.com/volkswagen und sehe, das hat sich Volkswagen bereits gesichert – Volkswagen USA! Glückwunsch nach Wolfsburg! Ich gebe ein: pinterest.com/veltins – der Account ist noch FREI! (Stand: 22. Februar). Dann gebe ich ein: pinterest.com/Miele – ok, die URL ist gesichert. Den Zuschlag hat der User „Seven Daisies“ (6 Boards, 18 Pins, 0 Likes). Nächster Versuch: pinterest.com/Telekom … ach was, seht selbst! Gut, also vielleicht etwa aus dem geografischen Bereich. Das liegt näher: pinterest.com/Berlin –  hier war in der Tat jemand schnell: Amber (26 Boards, 2874 Pins, 23 Likes). Dann machen wir doch mal Nägel mit Köpfen: pinterest.com/Deutschland – diese URL gehört Veronika Fry. Und die hat noch nicht mal ein einziges Bild gepinnt! Es ist zum Heulen.

Pinterest.com ist derzeit noch im beta-Status. Einladung über User notwendig!

Pinterest.com ist derzeit noch im beta-Status. Einladung über User notwendig!

Sollte ich wirklich so naiv sein? Sollten Städte/Länder, Marken, Künstler kein Potenzial in einer trotz beta-Status recht sauber programmierten Plattform sehen?  Sollten Erfolgsberichte kommerziell genutzter Pinterest Accounts aus den USA vielleicht doch nur Märchen sein – Märchen von der wundersamen Geldvermehrung?

Wie auch immer die Geschichte von Pinterest weitergeht – beispielsweise hinsichtlich einer Geschichte des Bloggers Josh Davis, der auf seinem Blog über das heimliche Geschäftsmodell des aufstrebenden Startups berichtete. Demnach tauscht Pinterest die Links bestimmter Pins gegen eigene Links mit einem Affiliate-Tracking-Code aus. Sollte Pinterest doch eine Verbreitung erreichen, die vergleichbar mit Facebook, Twitter oder Google+ ist, dann werden sich wahrscheinlich zahlreiche Marken- und Marketingverantwortliche ein Loch ins Knie schießen und ganz schnell Strategien entwickeln müssen, sich die Marken-URL auf Pinterest doch noch zu sichern.

LEAD digital veröffentlichte Mitte Februar eine Liste des „Wallstreet Journal“ mit drei exemplarischen Unternehmen, deren Umsätze durch die Plattform Pinterest „signifikant“ gestiegen seien. Die Redaktion selbst legte sich in dem Artikel fest: „Die Plattform beschert gerade kleinen Unternehmen solides Wachstum.“

Sicher alles nur ein Hype…

Norbert Diedrich

Christoph Salzig

Gründer, Inhaber, Mastermind und Backbone. Kommunikationswissenschaftler, M.A. Interpreter of Digital Business. War BVDW-Pressesprecher von 2001 bis 2008. Ist Berater, Moderator, Referent, Seminarleiter, Coach und Mitglied beim 1. FC Köln.

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