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UBERCLOUD – Leading the Global Digital Creativity?

Eindrücke vom Pre-Day Event zur dmexco

Die dmexco ist laut Eigenbeschreibung „DIE internationale Leitmesse und Kongress für die digitale Wirtschaft“. In diesem Jahr wurde sie eingeleitet durch ein Event ebenso hohen Anspruchs: Die Ubercloud 2011 wurde als „DER internationale Kreativ-Gipfel 2011 in Europa“ angekündigt und versprach schon dem Namen nach eine alles bisher Dagewesene übertreffende Zusammenkunft der internationalen digitalen Kreativelite. Darüber, ob diesem Anspruch genüge getan wurde, scheiden sich die Geister.

Die Namen im Programm lasen sich auf Anhieb vielversprechend – als Partner zeichneten der ADC New York, der ADC für Deutschland, die Miami Ad School und der One Club für die inhaltlichen Schwerpunkte verantwortlich.

Ein Highlight war in meinen Augen der Beitrag von Alex Balfour, Head of New Media des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele 2012 in London. In einem zugegebenermaßen etwas improvisiert wirkenden Vortrag plauderte er aus dem Nähkästchen der digitalen Strategien für London 2012, nannte beeindruckende Zahlen (zum Beispiel geht der erwartete Website-Traffic während der Spiele in die Milliarden) und ließ das Publikum in den Genuss einiger bisher nicht veröffentlichter Entwürfe und Pläne kommen.

Ein König und ein Knicklicht-Rave

Es gibt weitere Spektakel, die sicherlich im Gedächtnis bleiben. Zum einen der Auftritt des ghanaischen Königs Togbui Ngoryfia Céphas Kosi Bansah: Er berichtete gemeinsam mit Julian Zimmermann von Deutsche & Japaner von der Suche nach einem neuen Corporate Design für die königliche Korrespondenz und verlieh dem Credo „Der Kunde ist König“ ganz neue Tiefe. König Bansah beeindruckte, indem er einen nachdrücklichen Gegenpunkt zur manchmal schon fast getrieben erscheinenden digitalen Elite setzte und dabei zeigte, wieviel Kreativität aus der Auseinandersetzung mit traditioneller Symbolik entspringen kann.

Zudem zeigten Jeremy Tai Abbett von Truth Dare Double Dare und Jens Schmidt von der Berliner Kreativagentur Moccu (Anm.: ein Kunde von uns) die Möglichkeiten moderner Datenvisualisierung. Beim Live-Experiment „Ubercrowd“ stimmte das Publikum im abgedunkelten Saal mit Hilfe grüner und roter Knicklichter über Entscheidungsfragen ab. Die Antworten wurden live über eine Webcam erfasst und in entsprechende Bilder umgesetzt – so spiegelten sich etwa der Männer- und Frauenanteil im Raum an der Größe zweier Comicfiguren, und Pinocchios Nase wurde immer länger, als über 60% via Knicklicht angaben, keine illegalen Musikdownloads zu besitzen.

 

“Make it useful, relevant or entertaining at best, all three”

Insgesamt fiel das Feedback zur Veranstaltung durchwachsen aus. Während sowohl die Auswahl der Speaker als auch die Themenschwerpunkte allseits Lob fanden, waren nicht Wenige enttäuscht von den Inhalten einiger Beiträge – gerügt wurde in diesem Zusammenhang vor allem das „Wiederkäuen“ bereits bekannter Vorzeige-Cases durch die geladenen Agenturvertreter. Will Sansom vom Contagious-Magazin löste diese Aufgabe wesentlich eleganter, indem diverse Cases – Berühmtheiten und Geheimtipps – zitierte, um zukünftigen Gestaltern eine konkrete Message zu vermitteln: „Make sure it’s useful, relevant or entertaining – at best, all three.“

Und längst nicht alle Speaker nutzten das Podium, um schlicht ihr coolstes Projekt der letzten Monate zu zeigen. Ije Nwokorie von Wolff Olins London beispielsweise stellte sein Referenzbeispiel brillant in den Kontext der Session „It Begins With Brand“, indem er beschrieb, wie Mercedes neue Services rund um das Auto entwickelte, als eigenen Unternehmenszweig aufsetzte und so sein Markenimage gleichzeitig erweiterte und schärfte.

Nährboden für Kreativität

Nwokorie, selbst Architekt, betonte den Nutzen interdisziplinären Arbeitens für die Entstehung kreativer Ideen, ebenso wie Joanna Bakas von LHBS Consulting, die sogar nachwies, dass heterogene Arbeitsgruppen, sofern sich alle Teilnehmer in einem gemeinsamen Referenzrahmen bewegen, die Arbeitsergebnisse homogener Projektgruppen deutlich übertreffen.

Vielleicht gab es wirklich Luft nach oben: Neben mehr Kreativität einiger Speaker bei der Zusammenstellung ihrer Vorträge hätte ein bisschen Kontroverse der Veranstaltung gut getan. Auch das Setting hätte mehr Diskussionen und Interaktion zwischen Publikum und Rednerpult ermöglichen können – nicht zuletzt war die relativ überschaubare Größe der Veranstaltung und damit die Möglichkeit, wirklich ins Gespräch mit einigen inspirierenden Größen der Branche zu kommen, eines der wertvollen Assets der Ubercloud.

Alles in Allem folgte die Ubercloud als Szenetreff der digitalen Kreativität mit der Kopplung an die dmexco dennoch einem viel versprechenden Ansatz, von dem ich hoffe, dass er im nächsten Jahr fortgeführt wird.

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