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Vom Versagen der Lokalpresse

Gerade habe ich bei Spiegel Online einen Artikel über die neuerlichen Missbrauchsvorwürfe an der Odenwaldschule in Heppenheim gelesen. Schlimme Sachen stehen da drin. Das ganze ist mittlerweile ein großer Skandal in der nicht enden wollenden Reihe von Skandalen mit sexuellem Missbrauch an Bildungseinrichtungen, mal unter kirchlicher Leitung, mal nicht. Was mich an der Sache mit der Odenwaldschule aber auch persönlich aufregt und im Prinzip gar nichts mit dem eigentlichen Skandal zu tun hat, ist das Verhalten der Lokalpresse.
via meedia.de (Vollständiger Beitrag von Stefan Winterbauer)

Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn das die Folge des rigiden Sparkurses bei lokalen und regionalen Verlagsangeboten ist, wie soll dann bitte die Zukunft der regionalen Printmedien aussehen? Immer wieder habe ich in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass die Grundvoraussetzung für das Überleben der Printtitel – egal auf welchem Ausgabemedium – die Qualität der Inhalte ist. Der Ruf nach Paid Content, Leistungsschutzrecht für Verleger und der finanziellen Beteiligung für das Ausspielen von Nachrichten bei Google (News) haben – so sie denn überhaupt irgendeine Berechtigung haben – keinen Sinn, wenn die Leistung selbst gar nicht vorhanden ist.

Die Gründe, warum die Lokalpresse im konkreten Fall versagt hat, entzeoihen sich zwar meiner Kenntnis. Es gehört allerdings zum kleinen Ein Mal Eins der Publizistik, dass in solchen Fällen Lokaljournalisten aufgrund ihrer Kenntnisse vor Ort Recherchevorteile haben und Lokalmedien zu Meinungsmachermedien mutieren können. Wenn das heute nicht mehr gilt, sind nicht nur zahlreiche Magister- und Promotionsarbeiten aus der Publizistik, Kommunikations- und Zeitungswissenschaft obsolet. Dann verspielen lokale Medien ihren letzten Kredit bei der eigenen Leserschaft. Eine Chance für lokale Weblogs á la Pottblog, Heddesheimblog oder Blog für Varel. Oder um es mal mit einer Fußballweisheit zu formulieren: man ist immer so gut, wie es der Gegner erlaubt.

Posted via web from christophsalzig’s posterous

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