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Jetzt neu: Münstersche Zeitung bringt TV-Programm als Retrospektive

Dass die Münstersche Zeitung nicht gerade zu den journalistisch profiliertesten Tageszeitungen dieses Planeten zählt, ist seit Jahren ein offenes Geheimnis. Die Verlagsstrategie, Leser an sich zu binden, läuft dann auch vor allem über Abo-Prämien, denn über guten Journalismus. Alle anders lautenden Bekenntnisse verweise ich einfach mal ins Reich der Fabeln. Daran hat auch die spontane Freisetzung einer gesamten Lokalredaktion durch den Verleger Florian Lensing-Wolff nichts geändert. Die Qualität in Sachen Rechtschreibung und Recherchesorgfalt hat subjektiv keinen Deut zugelegt. Orthografische Patzer bis zu den Überschriften der Titelseite, falsche Bilduntertitel – all das gehört mehr oder weniger zum Standardrepertoire meiner Heimatpostille. Der Faux Pas, den sich die Redaktion allerdings in der Samstagsausgabe des 6. September erlaubt hat, dürfte wahrscheinlich in die Annalen eingehen.

Was war passiert? Angelockt durch einen Vorgucker des ZDF für den Wilsberg-Krimi am Samstag, wollte ich mich mit Hilfe des TV-Programms vergewissern, ob sich Länderspiel und Lieblingskrimi tatsächlich, wie von mir befürchtet, überschneiden. Beruhigt stellte ich fest, dass laut TV-Programm der MZ ein TV-Melodram von Rosamunde Pilcher keine ernsthafte Fußballkonkurrenz darstellen sollte. Doch halt? Sind diese Schnulzen nicht eigentlich Kontrastprogramm zum sonntäglich Tatort. Mit einem genaueren Blick musste ich dann feststellen, dass mir die MZ hier nicht das Wochenendprogramm der bevorstehenden zwei Tage abgedruckt hatte, sondern ganz offensichtlich das TV-Programm von zwei willkürlich ausgewählten Tagen aus Juni und Juli. Wie sonst ist zu erklären, dass am Sonntag das EM-Spiel Schweiz-Tschechien und Portugal-Türkei laufen sollte. Oder am Samstag das Formel Eins-Rennen zum großen Preis von Großbritannien und nur einen Tag später, am Sonntag, das Qualifying für den Grand Prix von Kanada. Soviel Fahrt nimmt der Formel Eins-Zirkus wohl kaum auf. Ein kurzer Check im Internet bestätigt: Hier sehe ich das TV-Programm von Sonntag, 6. Juli 2008 (für Samstag) und von Samstag, 7. Juni 2008 (für Sonntag). Daneben werden die Programm-Highlights retrospektiv beworben.

Die erste spontane Frage, die sich mir stellt: Muss ich die Wettervorhersage auf der gleichen Seite Ernst nehmen (wobei ich Wettervorhersagen eigentlich per se keinen Glauben schenke)?. Die frühherbstlichen Temperaturen, die ich für die nächsten (?) Tage sehe, könnten durchaus auch aus dem Sommer sein, wer weiß? Der Ärger über diese sinnlos bedruckte Seite steigert sich: Kein Hinweis, keine Entschuldigung auf der Webseite der MZ. Nimmt man die Leser nun überhaupt nicht mehr Ernst?

Als nächstes folgt der Versuch, die Verfehlung auf den Seiten der MZ öffentlich zu machen. Doch, oh weh! Die MZ ist auch mit der neuen Redaktion immer noch Web 1.0. Kommentarfunktionen oder Blog – Fehlanzeige. Na gut, denke ich mir. Versuchen wir es bei der Konkurrenz. Das sollte doch ein gefundenes Fressen im lokalen Wettbewerb sein. Doch auch hier sehe ich mich getäuscht. Weder die Westfälischen Nachrichten noch Echo Münster (der Zusammenschluss der freigesetzten Ex-MZ-Redakteure) zeigen Schadenfreude und weisen auf die sagenhafte Fehlleistung hin.

Und so bleibe ich mit meinem Ärger allein, vertröste mich mit meiner Online-Affinität und überlege, was nun die Konsequenz ist. Sicher ist, das MZ-Abo wird noch heute gekündigt. unsicher ist aber, ob ich mir den RSS-Feed der Wettbewerber abonniere, geschweige denn das Printprodukt aus dem Verlagshaus Aschendorff. Bisher hat die Lokalzeitung immer zu meiner Frühstückslektüre gehört, zum Ärger der Familie. Künftig werde ich wohl darauf verzichten und mich lieber der Mischung aus pubertären Sorgen und Kindergartenvorfreude meiner Lieben widmen. So gesehen, keine wirklich schlechte Alternative.

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