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Next08 und Web1.0

Ich bin beeindruckt, den Organisatoren der Next08 ist es offenbar gelungen, eine richtig gute Veranstaltung abzuliefern. Dafür mein Kompliment, Mark und Martin. Schade, dass ich es nicht geschafft habe, vorbeizukommen (aber nächstes Jahr – ganz bestimmt). Die Vielstimmigkeit im Nachgang der Konferenz zeigt meines Erachtens ein weiteres Mal die innere Zerrissenheit der Branche. Fakt ist, nahezu alle modernen Web 2.0-Anwendungen sind an das Kongressumfeld angedockt, Blogs, Communities, Livestreams, Twitter, Flickr, Youtube,….. mehr geht eigentlich nicht. Zweifelsohne ein Verdienst von Mark Pohlmann, der die Szene aus dem Eff Eff kennt und optimal bedient. Hinzu kommen zahlreiche Besucher, die nur allzu gern ihren Senf dazu geben – leider, wie man hört nicht nur in den Pausen oder am Rande, sondern offenbar auch im Auditorium. Eine echte Unsitte, die sich da breit macht, die von Ignoranz und Überheblichkeit zeugt. Wem es langweilig ist, der soll mit den Füßen abstimmen – das hat sich auch schon früher bewährt. Allein mir fehlt der Glaube, dass tatsächlich Langeweile der Grund hierfür ist.

Trotz des auf den ersten Blick sehr zukunftsgewandten Programms hört man Stimmen, die “nicht viel Neues” gehört haben wollen (mangelnde Aufmerksamkeit?). Oder andere, die in ihren Thesen Dinge auflisten, die einem irgendwie doch sehr bekannt vorkommen.  Die berechtigte Frage jedoch ist: Wie viele der User da draussen, wissen eigentilch wovon in Hamburg oder bei anderen Web 2.0-Konferenzen geredet wird? Tapio Liller beschreibt genau dieses Problem (oder Phänomen?) in seinem Beitrag zur Next08:

“Was in dieser Debatte aber komplett unter den Tisch fällt ist die Tatsache, dass das Gros der Bevölkerung nun mal nicht Generation Y ist, sondern deutlich älter. Sie sind nicht dauervernetzt und nicht Teil der globalen und vergleichsweise wohlhabenden Web-Elite, sondern ganz normale Leute, die mit DSL 1.000 zu Hause komplett happy sind, weil sie damit ihre Reisen buchen können und mit Freunden und Verwandtschaft in Kontakt bleiben. Online-Banking ist für diese Menschen schon das höchste der Gefühle und dazu haben sie sich auch nur durchgerungen, weil es weniger Gebühren kostet.

So lange 40% der deutschen Bevölkerung keinen Internet-Zugang haben, solange nur ein Bruchteil der Menschen Blogs, Social Networks, Video-Portale, Community-Funktionen auf den Webseiten von Zeitschriften und all die anderen Neuerungen allerhöchstens vom Hörensagen kennen – so lange dürfen sich Kommunikatoren nicht der Illusion hingeben, sie könnten von heute auf morgen bewährte und wirkungsvolle Werkzeuge des Marketing und der PR aufgeben.”

Genau das ist es, was mich umtreibt. “Wir müssen von der Klassik lernen!” – diese Botschaft habe ich schon oft von führenden Köpfen der Online-Marketingbranche vernommen. Marketingbudgets für Printanzeigen in Fachmedien, mit der die Online-“Unwilligen” aber tatsächlich erreicht werden, sind allerdings nicht eingeplant. Ähnliches gilt für Specials in Branchenmedien zu Online-Themen, von denen es übrigens weitaus mehr geben würde, wenn die Branche diese Angebote mit Werbung refinanzieren würde. Die Innovationsbereitschaft der Branche geht zudem bisweilen über die Schmerzgrenze. Da werden neue Technologien in den Himmel gelobt, Netzwerke an ihrer Nutzungsintensität (der jungen Taschengeldgeneration) gemessen und die kreativsten Kampagnen entworfen. Dass Geld verdienen manchmal langweilig sein kann – mit leicht verständlichen Buchungsprozessen auf E-Commerce-Seiten (statt Social Commerce-Angeboten, von denen eigentlich immer noch keiner so genau sagen kann, was diese eigentlich auszeichnet), mit Coupons und Rabattaktionen in Werbebannern (oder Printanzeigen!) statt  Streaming Ads (die sich bei DSL 1000 allzu langsam aufbauen) oder suchmaschinenoptimierten Webseiten, die in Google (die immer noch am meisten genutzte Suchmaschine) gefunden werden (statt mit User generated Content zugepflasterten Unternehmensblogs, bei denen man nur mühsam die eigentlichen Produkte und Angebote findet).

Ein bisschen mehr Bodenhaftung – das allein würde manchmal schon reichen, um die kaufkräftigen Zielgruppen vom Nutzen der Online-Medien zu überzeugen. Trotzdem: Die Evolution (jaja, ist schon älter der Beitrag – eben drum!) lässt sich nicht aufhalten – eine Revolution ist es deswegen aber noch lange nicht.

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