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Facebook: Vom Empfehlungs- zum Beliebigkeitsnetzwerk?

Facebook ist nicht erst seit gestern Zielscheibe von Daten- und Verbraucherschützern. Der Grund liegt vor allem in der Offenheit beim Umgang mit Nutzungsdaten. Dass es jedoch durchaus Befürworter dieses Umgangs liegt, liegt und lag vor allem daran, dass man sich Mehrwerte und Gegenleistungen von Facebook verspricht. Dabei geht es längst nicht nur darum, Facebook selbst weiterhin kostenlos nutzen zu können – als Chatroom, Blogersatz, Fotoarchiv, Gamingplattform, (Video)Telefon, was auch immer. Irgendwie muss ja so ein gigantisches Angebot gegenfinanziert werden. Wenn ich also schon nicht mit Geld dafür bezahle dann eben mit meinen Daten. Was soll’s – schließlich stimmt die Gegenleistung. So eine durchaus weit verbreitete Meinung – die gleichwohl von Politik, Daten- und Verbaucherschützern sowie Medien, die vor allem auf reichweitenstarke – durch Werbung und Abomodelle gegenfinanzierte – Angebote setzen, nicht geteilt wird.

Auf dem Weg in die Beliebigkeit

Doch Facebook ist noch mehr – oder besser war. Bisher hatte es auch die Funktion einer Empfehlungsplattform. Links, Fotos, Videos, Apps – all das hatte sich hier seine Aufmerksamkeit durch die persönliche Empfehlung anderer Facebooknutzer zu verdienen. Mit dem neuen „Feature“ „Frictionless Sharing“ hat sich das Netzwerk jedoch von dieser Kuratoren-Funktion verabschiedet. nun dringt alles in den Dunstkreis der Facebooknutzer, was ihr Netzwerk über die Apps so treibt. In Echtzeit pumpen Social Reader Meldungen wie „XY hat das oder jenes gelesen“ oder „YZ hat diesen Song gehört“ oder was auch immer in Zukunft an Kurzmeldungen so denkbart ist, in die Timeline. Zugegeben, das Ganze läuft nur „am Rande“, trieben mich aber doch selbst an eben jenen. Zuviel passiert dort als dass ich das noch irgendwie verfolgen geschweige denn verarbeiten könnte. Dabei hatte sich Facebook gerade erst als perfekter Filter für alles Wesentliche etabliert. Dabei half auch die Unterscheidung zwischen neuesten und hervorgehobenen Meldungen.

Facebook Frictionless Sharing

Unübersichtlich? Facebook Fricitonless Sharing (Grafik: pr://ip)


Ein Kniefall vor den klassischen Medien?

Es wirkt auf mich wie ein Einknicken Facebooks vor alten Mediennutzungsmustern. Denn es sind wieder einmal die Verlage – insbesondere in den USA – die diese Entwicklung befördern, durch eben jene „Social Reader“. Besonders absurd aber daran ist, dass ein Klick auf Meldungen in dieser Echtzeitübersicht (wenn es so etwas überhaupt geben kann) nicht etwa auf die Nachricht führt, sondern auf ein Fenster, dass ihrerseits zur Verwendung der eingesetzten App ermuntert. Damit aber verselbständigt sich dieses Nutzungsmuster. Im Wettlauf zwischen Facebook und Google+, das selbst gerade an der Umsetzung von Apps und Unternehmensseiten (inkl. der Beteiligung der Mitarbeiter) krankt, geraten die beiden Netzwerke derzeit etwas ins Straucheln. Eine klare Strategie ist nicht mehr erkennbar.

Facebook, Google+ oder kommt da noch was?

Noch schlimmer: Das, was Facebook so poulär gemacht hat, wird derzeit Preis gegeben. Google+ könnte hier vor allem dank der Circles Boden gewinnen. Sie bieten mir quasi gefilterte Nachrichtenstreams. Mit seinem immer noch wenig Identität stiftenden Outfit spricht Google+ jedoch derzeit vor allem die Kommunikationsbranchen (und ihre Wurmfortsätze) an. Besinnt sich keiner der beiden Kontrahenten eines Besseren und fokussiert stärker die Stärken sozialer Netzwerke (anstatt ins Beliebige abzudriften), bietet sich eine Lücke, die vielleicht noch einmal neue Anbieter zum Erfolg verhilft. Bis es soweit ist, muss allerdings die Trägheit der Masse überwunden werden, sprich: die Mehrheit (und nicht die Minderheit) der Facebooknutzer sich entnervt neuen Ufern zuwenden. Ein Umstand, der auch beim herbei geschriebenen Siegeszug von Google+ allzu oft übersehen wird.

Abspann: Social Media is for the people!

Vielleicht besinnt sich Facebook angesichts der schwindenden Unterstützung in der Blogosphäre und der Kritik einschlägiger Gazetten und Foren ja noch eines Besseren. Aus meiner Sicht wäre das absolut wünschenswert. Bis es soweit ist empfehle ich den Hinweis von future.biz, nämlich – wie eigentlich immer – auf die entsprechenden Einstellungen in den Anwendungen zu achten und dort dafür Sorge zu tragen, wer die eigenen Aktivitäten tatsächlich nachvollziehen können soll. Je populärer Social Reader & Co. werden, desto mehr könnte dieses manuelle Nacharbeiten jedoch in echte Arbeit ausufern – zielführend kann auch das nicht sein…

Einstellung - Beispiel Facebook App Social Reader

Einstellung – Beispiel Facebook App Social Reader

Christoph Salzig

Gründer, Inhaber, Mastermind und Backbone. Kommunikationswissenschaftler, M.A. Interpreter of Digital Business. War BVDW-Pressesprecher von 2001 bis 2008. Ist Berater, Moderator, Referent, Seminarleiter, Coach und Mitglied beim 1. FC Köln.

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